(Müller, Jürgen)
Faszinierend an dem Buch Müllers ist das Zusammenspiel zwischen wissenschaftlicher Distanz und detaillierten Beschreibungen der gesellschaftlichen Situation im Köln der NS-Diktatur. Zeitdokumente und Gesetzesauszüge, die sachlich die Situation der Homosexuellen skizzieren, machen das Buch nicht nur für Rechtshistoriker lesenswert.
(Dinkelberg, Wolfgang; Eva Gundermann, Kerstin Hanenkamp)
In vielen Staaten der Welt werden Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert, verfolgt, gefoltert oder sogar getötet. Viele der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, TransvestInnen, Transsexuellen und Transgender sind ständig bedroht, in unfairen Gerichtsverfahren verurteilt zu werden, sie sind der Willkür von Todesschwaronen und Polizei ausgesetzt. Mit diesem Buch legt amnesty international eine materielle Studie über die Situation von Lesben und Schwulen in über fünfzig Ländern vor. In zahlreichen Fällen aus aller Welt werden Opfer und Täter beim Namen genannt. Seit einigen Jahren engagiert sich amnesty international verstärkt gegen Menschenrechtsverletzungen aufgrund sexueller Orientierung. In welcher historischen Entwicklung der Menschenrechte diese Arbeit zu verstehen ist, erläutert das erste Kapitel dieses Buches. Hier stellt sich amnesty international als Organisation vor, die sich speziell für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen und Transgender einsetzt. Im zweiten Kapitel werden zunächst die Muster von Menschenrechtsverletzungen dargelegt, die anschließend anhand von Beispielen aus zahlreichen Ländern veranschaulicht werden. Andere internationale Menschenrechtsorganisationen, die sich für sexuelle Minderheiten einsetzen, werden im letzten Kapitel vorgestellt. Der Anhang enthält Material, das Interessierte über die Möglichkeiten der konkreten Unterstützung informiert. Ebenso findet sich im Anhang eine Ländertabelle, die einen Überblick über die rechtliche Lage von Lesben und Schwulen gibt. Das spezielle Adressverzeichnis sowie der Aufruf der ai-Gruppe "Homosexualität" gibt Gelegenheit zur Kontaktaufnahme mit amnesty international sowie mit weiteren Menschenrechtsorganisationen.
(Feustel, Gotthard)
Während in der griechischen Antike Homosexualität allgemeine Akzeptanz, wenn nicht gar kultische Verehrung im gesellschaftlichen Leben fand, bestraften mittelalterliche Inquisitoren gleichgeschlechtliche Liebende mit dem Tode. Ähnlich grausam verfuhren die Richter des Dritten Reiches. Gotthard Feustel beschreibt die Lebensgeschichte von Homosexuellen. Sie sind das Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft, die auf das "Anderssein" entweder mit Verfolgung, harten Strafen bis hin zur Vernichtung reagierte, ihnen Toleranz entgegenbrachte oder sie als ganz normal Liebende den Heterosexuellen gleichstellte.
(Heger, Heinz)
Über die Verfolgung der Homosexuellen während des Hitler-Regimes gibt es wenig Literatur. Spärlich sind die Informationen über die Inkriminierung, Erniedrigung und Ermordung von Homosexuellen während der Nazizeit. Die Homosexuellen standen in der Hierarchie der Konzentrationslager auf der untersten Stufe. Auch nach dem Krieg setzte sich für die "Männer mit dem Rosa Winkel" die strafrechtliche Verfolgung und die gesellschaftliche Ächtung fort. Heinz Heger berichtet in diesem Buch schonungslos, auch sich selbst gegenüber, von seinen beschämenden Erlebnissen in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Flossenbürg.
(Hergemöller, Bernd-Ulrich)
Vorliegende Einführung versucht, in zusammenfassenden und chronologisch gegliederten Kapiteln einen Überblick über die nahezu unüberschaubar gewordene amerikanische, englische, französische, niederländische und deutsche Literatur zu den verschiedenen Konzeptualisierungen der weiblichen und männlichen Homosexualität zu vermitteln. Nach einführenden Hinweisen auf die ältere Homosexualitätsgeschichte und den Forschungsstand wird die aktuelle Theorie- und Methodendiskussion vorgestellt. Es folgen Einzelabschnitte über das Mittelatler, die Frühe Neuzeit, das 19. Jahrhundert, die frühe Emanzipationsbewegung, das NS-Regime und die Zeitgeschichte ab 1945. Eine umfangreiche Bibliographie, die differenzierte Gliederung und die verständliche Sprache verleihen dem Band den Charakter einer wichtigen Arbeitshilfe und eines anregenden Forschungsüberblicks.
Lothar Machtans Buch zeigt, daß Hitler homosexuell war und daß es für das Verstehen seiner Person wie seiner Karriere unerläßlich ist, darüber im Bilde zu sein. Denn als das jederzeit vom Absturz bedrohte Scheindasein, das es in Wahrheit gewesen ist, hat man das Leben des deutschen Diktators noch nie wahrgenommen - und genau darin liegt die Provokation dieses Buches
(Grau, Günter)
Rosa Winkel: Eine umfassende und akribisch edierte Sammlung von Dokumenten zur Homosexuellenverfolgung in der NS-Zeit. Homosexuelle Frauen und Männer gehören bis heute zu den oft vergessenen Opfern des Nationalsozialismus. Über ihr Schicksal, ihre Verfolgung und ihren Alltag ist wenig bekannt. Günter Grau legt hier seine umfassende und akribisch edierte Sammlung von Dokumenten zur Homosexuellenverfolgung vor und einen Bericht von Claudia Schoppmann über die damalige Situation lesbischer Frauen.
Als zwischen 1906 und 1908 der Fürst Eulenburg, enger Berater Wilhelms II., zusammen mit einigen Freunden wegen Homosexualität vor Gericht stand, sprach die Presse von einer homosexuellen Verschwörung. Homosexuellen wurde unterstellt, die Männlichkeit des Staates und damit den exklusiv männlichen Herrschaftsanspruch infrage zu stellen. Die Autorinnen und Autoren des Bandes beschreiben die Entstehung und Popularisierung der Figur des homosexuellen Staatsfeindes für die Zeit bis 1945 - und zeigen, dass die Verknüpfung von (Homo-)Sexualität und Politik auch über das Dritte Reich hinaus fortbestand.
Katalog zur Ausstellung des Schwulen Museums Berlin in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Sachsenhausen
Im Auftr. d. Schwulen Museums Berlin hrsg. v. Joachim Müller u. Andreas Sternweiler
(Steidele, Angela)
Catharina Margaretha Linck war die letzte Frau, die in Europa wegen der so genannten Unzucht zwischen Frauen hingerichtet wurde. Seit ihrem 15. Lebensjahr als Mann verkleidet, versuchte sie sich zuerst glücklos als Prophet in einer radikalpietistischen Sekte, kämpfte dann mehrere Jahre lang als Musketier im Spanischen Erbfolgekrieg und ließ sich schließlich 1717 in Halberstadt unter dem Namen Anastasius Lagrantinus Rosenstengel mit einer anderen Frau trauen. Von ihrer argwöhnischen Schwiegermutter verraten, wurde der enttarnten Betrügerin der Prozess gemacht, in dem das Corpus delicti, ein "von Leder gemachtes ausgestopfftes Männliches Glied", ausnehmend gewürdigt wurde. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. persönlich verurteilte sie zum Tode. Das Buch verfolgt Catharina Lincks verwegenen Lebensweg und erörtert die Fragen, die ihr paradigmatischer Fall in der Geschichte der Sexualitäts- und Identitätskonstruktion, der frühneuzeitlichen Rechts- und Sozialgeschichte sowie der Gender Studies aufwirft. Ergänzt durch den Abdruck der skurrilen Gerichtsakten ist diese historische Studie zugleich ein Schelmenroman voll tragischer Komik.